erste informationen über den fluß seine

Erforschtes aus der Literatur

Da nun das Thema des angehenden Forschungsaufenthaltes in Paris im Juli 2008 abgesteckt ist, habe ich nun versucht aus der Literatur, die in der Fachbibliothek (FB) des Institutes für Geschichte der Universität Wien vorhanden ist, mögliche neue Kenntnisse über den Fluß Seine in Paris zu finden. Da sich die Literatur in der FB zu einem großen Maße aus Französischer oder gar Englischer Sprache zusammensetzt, ist das momentane Ausmaß an verwendeter deutschsprachiger Literatur (noch) gering. Drei Bücher konnte ich dann aber doch erfolgreich bearbeite:
1. Castelot, André: Die großen Stunden von Paris, Wien 1961.
2. Willems, Johannes: Paris. Hauptstadt Europas 1789 – 1914, München 1988.
3. Hazan, Eric: Die Erfindung von Paris. Kein Schritt ist vergebens, Zürich 2006, 3. Aufl.
Beim grobflächigen Überfliegen der Zeilen habe ich versucht alles Wissenswerte über die Seine herauszufinden. Das Folgende ist nun mein Ergebnis:
Bei Castelot wird eine königliche Anordnung aus dem Jahre 1404 zitiert, die den Fluß als große Senkgrube bezeichnet, dessen Wasser mit Kot, Schmutz, Unrat und Verunreinigung angefüllt war, was ganz erschreckend und Ekel erregend anzusehen war. 1788 hatten sich die Dinge immer noch nicht gebessert, folgende Beschreibung ist der Literatur zu entnehmen: Das Wasser der Seine vereint alle guten Eigenschaften in sich, die man sich wünschen kann; der erste Blick sei zwar trüb und abstoßend, aber gerade diese Tatsache stellt dieses Wasser weit über gewisse andere, die fast immer hinter einem verlockendem Äußerem Fremdkörper bergen. Auf jeden Fall ist es jenen klaren Wassern weit vorzuziehen, die aus den helvetischen Felsen quellen. Kurz, es ist ein ganz hervorragendes Getränk.
Selbst ein knappes Jahrhundert später wird Wasser der Seine vor allem zum Trinken verwendet und für sehr geeignet gehalten. Diese durchwegs positiven Beschreibungen in der Wahrnehmung dürfen aber nicht mit heutigen hygienischen Mindeststandards verglichen werden, wie in weiteren Beschreibungen noch folgt. 1)
In der Beschreibung des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wird insofern von der Seine berichtet, als dass am 14. September 1870 sogar ein „Kriegsmarine“ vorhanden war: Fünf schwimmende Batterien, acht Kanonenboote und sieben Vorpostenboote übernahmen die Verteidigung von Paris auf der Seine. 2)
Im zweiten bearbeiteten Buch wird in dem kurzen chronologischen Abriss zur Stadtgeschichte beschrieben, dass die soziale Topographie von Paris im 13. Jahrhundert in nuce bereits jenes Bild gibt, das die Stadt gegen Ende des 18. Jahrhunderts bietet: von der Sein-Insel de la Cité aus breitete sich die Stadt im Laufe der Zeit immer weiter auf beiden Ufern der von der Seine durchflossenen Ebene aus; im Süden auf dem linken Ufer, im Quartier Latin, sind die hohen Schulen der Universität konzentriert, während sich im Norden, auf dem rechten Seineufer, die bürgerliche Stadt mit Handwerk und Handel entwickelte. Cité, Université und Ville, diese drei Bezeichnungen, mit denen noch im 18. Jahrhundert die soziale Topographie von Paris gekennzeichnet wird, reflektieren jene Elemente, deren Zusammenspiel die stetig wachsende Bedeutung der Stadt gewährleistet: Zentrum der weltlichen und geistlichen Macht, Zentrum der universitären Bildung und Zentrum des Handels und des Handwerks. 3)
Diese Beschreibung in einem wissenschaftlichen Werk bestätigt meine Erkenntnis bei einem Blick auf den Stadtplan, dass der Fluß die „Lebensader“ der Stadt seit Anbeginn darstellte. Der zentrale Ort, von dem aus sich alles entwickelte und dessen Bedeutung bis heute ungebrochen ist. Zentrale historische Akteure waren um diese geographische Komponente angesiedelt und konnten von dort aus wirken.
Über die Jahre vor der Französischen Revolution wird der Blick links und rechts von der Terrasse der Tuilleriengärten auf das „wunderschöne“ Seineufer beschrieben, an dem sich Gebäude, Paläste, Kirchen und steinerne Brücken befinden. In diesem Sinne werden die „steinernen Brücken“ als verbindendes Element verwendet, da die Überquerung des Flusses von äußerster Priorität war. Nochmals kommt die Sprache auf die hygienischen Zustände zu sprechen: dabei findet die Seine immer Erwähnung, da abermals Kot, Unrat, Leichen, Blut und Abfälle von Metzgereien über die Kanäle in den Fluß bzw. gleich direkt in die Seine geleitet werden. Der Flaneur Luis-Sebastian Mercier spricht auch von den Gegensätzlichkeiten von Paris im Allgemeinen und der Seine im Speziellen: Arm neben Reich sowie Sauberkeit und Unhygiene auch an und in der Seine. 4)

Dieser „Zusammenfassung“ über die ersten Eindrücke folgen baldigst die nächsten Informationen bezüglich der Seine und ihrer Geschichte.

1) Castelot, André: Die großen Stunden von Paris, Wien 1961 Seite 14 ff.
2)Castelot, Stunden, 1961, Seite 337.
3)Willems, Johannes: Paris. Hauptstadt Europas 1789 – 1914, München 1988, Seite 16.
4)Willems, Paris, 1988, Seite 28.
Schmale - 3. Jun, 20:38

Schmale

Dieses Mal bin ich näher am Eintrag dran mit dem Lesen als das letzte Mal. Interessant, was Sie gefunden haben - wir werden sehen, ob die Seine auch heute noch den Eindruck einer Lebensader macht - gerade im Vergleich mit Wien wird das spannend sein.
Auf jeden Fall ist die Seine heute sauberer...

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