Samstag, 16. August 2008

vorübergehendes Ende und Schlußbemerkung

Um noch einmal auf das Kommentar von Professor Schmale einzugehen, möchte ich auf die angesprochenen Beispiele kurz eingehen:
Die von mir angeführten bisherigen Beispiele, die die Bedeutung der Seine als Architektin der Stadt hervor streichen, können auch außerhalb des klassischen Stadtzentrums festgestellt werden. Im Osten kann hier angeführt werden, dass das Institut du Monde Arabe direkt am linken Seineufer gegenüber der Pont Sully situiert wurde und ist. Als Zeichen der Freundschaft und der Anerkennung des arabischen Kulturraums von Seiten Frankreichs ist der repräsentative Platz an der Seine die Unterstreichung der Bedeutung, die man ihm (dem Institut) verleihen will. Weiters das Museum National d’Histoire naturelle direkt an der Seine sowie die Bibliothèque National de France Francois Mitterand, ein imposanter und überwältigendes Architekturprojekt der 1980er Jahre, gliedern sich wie die Perlen der schon erwähnten Kette aneinander. Auf der gegenüberliegenden Flussseite sind es nach dem schon erwähnten Finanzministerium das Palais Omnisports de Paris-Bercy sowie die Bercy-Expo, die das Ufer bis zur Autobahn rund um Paris säumen.
Im Westen, stromabwärts des Eifelturms liegen die Bürohochhäuser wichtiger französischer und internationaler Firmen, in Richtung der Außenringautobahn säumt des Hopital Européen Georges Pompidou das Ufer. Am rechten Ufer liegt gegenüber des Eifelturms noch das Palais de Chaillot sowie das Maison Radio France. Letzterem kann man natürlich den Einfluß auf die Bevölkerung nicht absprechen, architektonisch durch die Lage an der Seine legitimiert.
Nun fände man sicherlich noch zahlreiche Beispiele, die meine These über das Verhältnis der Stadt Paris und der Seine mit ihrer Semiotik auf Paris untermauern würden, doch möchte ich hier zum Abschluß kommen. Doch soll dies kein fixes Ende darstellen, eher eine Aufbruchmöglichkeit zu neuen Ufern darstellen: das hier publizierte Wissen kann als Fundament für weiteres wissenschaftliches Arbeiten sicherlich dienen und es war für mich persönlich insofern sehr lehrreich, als dass ich nun eine weitere Möglichkeit, vielleicht eine zukünftige Forschungsschiene, kennen gelernt habe. Ich möchte mich hierbei sehr herzlich bei Professor Schmale für seine Arbeit mit und für mich und meine Kollegen bedanken, der neue Zugang zur Geschichtswissenschaft sowie eine unvergessliche Woche in Paris bleiben definitiv weit über mein Studienende in positiver Erinnerung.

Freitag, 11. Juli 2008

weiterführende Gedanken zur Semiotik

Nach einem nochmaligen Spaziergang, frei nach dem Motto „kein Schritt ist vergebens“, möchte ich zum gestrig geschriebenen Blogeintrag noch ein paar Zusätze anfügen:

Zu meiner These, dass der Champs-Elysée von der Achse der Macht, die die Seine symbolisiert, nur eine kleine Abweichung, aber keinen Bruch darstellt, sind mir beim örtlichen Erkunden einige neue, vielleicht andere Gedanken gekommen.
Als „Sonnenkönig“, der sich direkt auf Gott berufen konnte und die Autorität und Wichtigkeit in Person darstellte (und darstellen wollte), verließ Ludwig XIV, unter dem die Prachtstraße Champs-Elysées zu bauen begonnen wurde, vielleicht ganz bestimmt diese bis dahin „natürliche“ Achse der Macht. Der Legitimation „was am Ufer der Seine steht ist mächtig und wichtig“ setzte er sich dadurch entgegen und Beging definitiv einen Bruch in der herkömmlichen Geschichte. Durch die Platzierung des Arc de Triophe Etoile Napoleons setzte dieser diese „neue“ Entwicklung fort. Das passt sehr gut zum gesamten historischen Erscheinungsbild dieser beiden Männer, denn immerhin kann man ihnen nicht absprechen, durch ihre Taten einen Bruch der Geschichte herbeigeführt zu haben. Warum sollte es dann nicht auch in ihrer Hauptstadt diese Muster der Veränderung und des Bruches geben? Die frühere Legitimation durch die Seine ersetzten Ludwig XIV und Napoleon durch eine Legitimation durch sich selbst, im historischen wie im architektonischen Sinne, letzteren eben an Paris gezeigt.
Als Ironie der Geschichte kann man wiederum ansehen, dass „die Pariser“ und Franzosen im Allgemeinen nach den Innen- und Außenpolitischen Krisen von 1815 bis 1960 (Aufstand 1830, Revolution 1848, Dt.-Frz. Krieg 1870/71, Erster WK 1914-1918, Zweiter WK 1939-1945, Algerinkrieg 1954-1960) „zur Ruhe“ kommen wollten, und als äußeres Zeichen das „neue futuristische“ Viertel La Defence zur Seine zurückkehren ließen.

Mein Fußweg führte mich vom Pont de Caroussel bis zum Pont Alexandre III, und dabei fiel mir auf, dass die Brücken für die Schifffahrt an der unteren Grenze der internationalen Durchfahrtshöhe, welche ca. 8 Meter beträgt, liegen. Diese Beobachtung verglich ich mit der Tatsache, dass das höchste, in Paris gemessene und überlieferte Hochwasser etwas über 8 Meter über dem Normalwasserstand betrug. Somit stellt sich die Frage nach einer neuerlichen Überschwemmung Paris nicht wirklich, denn Stege und Schiffsanlegestellen würden zwar weggeschwemmt werden, der Stadt allerdings entstehe keinerlei Gefahr. Der Wasserhöhenunterschied, den die Schiffsanlegestellen heute standhalten können, liegt bei 2,5 Meter. Daher schließe ich, dass die Gefahr eines Hochwassers heutzutage von nur geringer Bedeutung ist und der Wasserstand „im Griff“ gehabt wird.
Warum ich die Seine im gestrigen Eintrag als Rinnsal bezeichnet habe, liegt daran, dass, die Breite der Donau bei Wien, oder in meinem Falle bei Tulln, zwischen 370 und 450 Meter Beträgt. Als ich heute am Passerelle Solferino, welcher vor kurzem in Passerelle Léopold Sédar Senghor umbenannt wurde, die Seine überquerte, betrug die abgeschrittene Entfernung 75 Meter. So ist die ehemalige wirtschaftliche Lebensader, die Paris versorgte, nun von den Größenverhältnissen doch nicht so beeindruckend wie der zweitlängste Strom Europas 
Doch soll die Seine im richtigen Licht erscheinen. Denn als Achse der Macht bzw. als Bruchlinie kommt ihr die bauliche Grundkonstante der Stadt Paris zu, an der sich eine Stadt bzw. ein ganzes Land nach außen und nach innen hin widerspiegelt und repräsentiert, und da Paris wohl als eine der bedeutendsten (wenn nicht „die“ bedeutendste) Stadt Kontinentaleuropas gelten kann, gilt die Seine zurecht als Baumeisterin dieser Stadt.

Semiotik der Seine nach dem Erforschen der (ersten) Hard-Facts

Nachdem ich mich nun intensiv mit den Brücken, Kais sowie den noch existierenden und ehemaligen Inseln historisch beschäftigt habe, ist es nun, so glaube ich an der Zeit, mit all dem Wissen nun die eigentliche Bedeutung des Flusses durch die Französische Hauptstadt zu ergründen.
Wie zu Beginn des Forschungsseminars vor vier Monaten, sitze ich wieder vor dem Stadtplan und kann diesen nun in ganz anderer Weise wahrnehmen und verstehen. In einem meiner ersten Blogeinträge fiel mir bereits auf, dass das historische Zentrum der Stadt im, sowie links und rechts des Flusses geschaffen wurde und sich dort erfolgreich entwickelt hat. Das geistliche Zentrum der Kathedrale Notre-Dame auf der Ile-de-la-Cité sitzt gewissermaßen „im“ Fluss, und stellt stellvertretend für Gott das absolute Zentrum dar. So könnte man den ehemals ersten Stand auch architektonisch verkörpern. Die Kirche (sowohl im architektonischen wie gesellschaftlichen Sinne) stellt den Nabel Paris’ dar, welches wiederum den Nabel Frankreichs darstellt. [Kühn könnte man als patriotischer Franzose nun auch das Vaterland als Nabel der Welt darstellen, obwohl dies sicherlich nicht auf ungeteilten Zuspruch treffen würde ] Vom nun schon oft beschriebenen Hochwasserschutz über die Sicherheit vor barbarischen Einfällen bildete diese Ile-de-la-Cité einen Hort des Schutzes und der Sicherheit. Gleichzeitig aber stellte sie auch eben den Kreuzungspunkt zweier außerordentlichen Wege dar (der Seine als Ost-West Achse, Nord-Süd-Verbindung durch Verkehrslinie) Somit kommt sofort der Faktor Flussübergang, also Brücke ins Spiel. Hier wurde aus der Not die Tugend, die Geschichte der Brücken ist ganz Eng mit dem Wachsen und Gedeihen der Stadt verbunden. Von Anfang an ist die Sprache von den zwei Brücken, dem Pont Grand und dem Pont Petit sowie deren stete technische Verbesserung. Somit steht die Brücke als Verbindendes Element zwischen Nord und Süd, sowohl Paris’ als auch Frankreichs.
(Während in Wien die Bedeutung einer Brücke erst relativ spät erkannt wurde, gegen Ende des Mittelalters, was zum wirtschaftlichen Erfolgs der Stadt Tulln beitrug, die bereits relativ früh eine Donauüberquerung hatte, war die Situation in Paris ein vollkommen andere.)
Die ersten nicht-insularen Besiedlungen erfolgten am Rive-Gauche, denn den Vorteil des Verkehrsweges Seine wollte man anscheinend nicht missen. Dass sich an den Ufern der Seine eine der ersten Hochschulen Europas entwickelte, zeigt abermals auf die geographische Bedeutung dieses Flusses. In den Quellen wird die Bedeutung als „Lebensader“ der Stadt Paris beschrieben, denn nur über das Wasser konnte die prosperierende Stadt effektiv versorgt werden. Die Anlegung von Ports (Häfen und Länden), die heute allesamt nicht mehr erhalten sind, und die Ausrichtung zu diesen bestätigt die These der Lebensader.
Doch auch der Louvre als Sitz des Königs und architektonisch als Zentrum der weltlichen Macht sitzt nicht irgendwo im überschwemmungsfreien Hinterland, nein, direkt am Ufer als sichtbares Zeichen steht dieser überdimensionale Prunkbau, der seinesgleichen sucht. Es ist wiederum die Achse des Flusses, der den weiteren Ausbau der Stadt beeinflusst und sogar vorgibt. Eigentlich verwunderlich, dass Richelieu „seinen“ Palais Royal nicht ans Ufer setzte. Doch hatte er schlicht keinen anderen Platz mehr, um die Determinante „Nähe zum Louvre“ als äußeres Zeichen zu nutzen.
(Anders als in Wien, wo der Sitz des Kaisers die Hofburg darstellte, die weder am heutigen Donaukanal als auch am Wienfluss, geschweige denn an der Donau liegt)
Auch das Hôtel-de-Ville etwas stromaufwärts des Louvre, auf Höhe der Kathedrale Notre-Dame, als Sitz des Oberhauptes der Hauptstadt, ziert das Ufer der Seine. Man kann hier eine Verdichtung der Macht an einer Linie erkennen, aufgereiht wie die Perlen an einem Faden oder einer Kette.
Auch der stetige Aus- und Weiterbau entspricht der von der Seine vorgegebenen Achse, gefolgt vom Jardin des Tuileries zum (abgebrannten) Tuilerien- Schloss. Der zwischen Rue de Rivoli (ebenfalls parallel zur Seine verlaufend) und Seine liegende Place de la Concorde als einer der zentralsten Orte der Französischen Revolution lässt sich wie eine weitere Perle auf der „Kette“ anreihen.
Das wohl bekannteste Wahrzeichen, als größtes Überbleibsel einer der Pariser Weltausstellungen, ist der Eiffelturm. Als Teil im Areal der Weltausstellung, sozusagen als Schaufenster für die gesamte Welt, ist dieses Gebiet direkt an die Ufer der Seine angepasst.

Als kleine Abweichung, viel zu schwach um es als Ausbruch zu bezeichnen, kann man den Champs-Elysées bezeichnen. Als Verlängerung der traditionellen Königsachse, die sich an die Ufer der Seine drängt, ist hier eine Abweichung zu erkennen. Die zum Arc de Triomphe Etoile führende Prachtstraße Ludwig XIV setzt sich als geometrische Verlängerung dieser Geraden, die an den Flussabschnitt angelegt ist, fort. Doch selbst der futuristisch angehauchte Stadtteil La Defense steht abermals am Kreuzungspunkt zwischen der Seine, die in ihrer mäandrierenden Eigenschaft hier nord- südlich verläuft, und der so genannten Königsachse. Doch ist es abermals so, dass die Ufer der Seine einen klaren Anziehungspunkt ausüben.
Um den Kreis noch zu schließen, sei noch zu erwähnen, dass das Finanzministerium ebenfalls an und teils in der Seine seine geographische Bestimmung gefunden hat. Süd-östlich und stromaufwärts der Ile Saint-Louis ist der längliche Bau im rechten Winkel zur Flussrichtung am rechten Ufer angesiedelt. Doch wie eine Hälfte einer Brücke steht es über dem Fluß, um mit einem im Wasser stehenden Sockel zu enden. Da einem Finanzministerium sicherlich auch die Bedeutung der Macht zukommt, zeigt es abermals darauf hin, dass die Linie des Flusses diese auf sich vereinigt.
Allerdings fällt die natürliche Grenze der Seine eigentlich nicht wirklich als Barriere auf. Im Gegensatz zu Wien, das über fünf Straßen-Donaubrücken verfügt, legen sich in Paris weit mehr als 30 Brücken über die Wasserstraße. Heute ist die Seine in ein Korsett aus Stein und Beton gezwängt, der Höhenunterschied zum Pariser Niveau ist beträchtlich. Schätzungsweise 8 Meter, in denen die Seine zwischen Hoch- und Niederwasser schwanken kann, ohne bauliche Zerstörungen vorzunehmen. Die Brücken sind ebenfalls am selben Niveau wie das Terrain rund um den Fluss, sodass ein überqueren des Flusses oftmals nur dadurch auffällt, dass man, im Vergleich zur Donau bei Wien, links und rechts ein Rinnsal erblickt.
Selbst die Namen der Brücken passen sich insofern an die Tradition in Paris an, als dass ihre Benennung genauso der Veränderung unterworfen war wie die der Straßen. Zwischen Zeichen von Weltpolitischer Bedeutung (Pont Alexander III) über die geographische Nähe zu bedeutenden Bauten (Pont des Invalides, Pont de la Concorde) zur französischen Identität (Pont Charles de Gaulle, Pont St. Louis) bis hin zu Anekdoten (Pont au Double) reichen die Kreativitäten und Zufälle.
So kann die Seine sicherlich als Achse der Macht und der Bedeutung gesehen werden, denn als Baumeisterin und Grundstruktur in der Entstehung und Entwicklung der „Hauptstadt Europas“ kann ihr im wahrsten Sinne des Wortes niemand das Wasser reichen.

die (vorerst) letzten exzerpte aus meinen forschungsergebnissen...

Hillairet, Jacques: Dictionaire Historique. Des Rues de Paris, Paris 1963, S. 39-43.

La Seine – le fleuve
In prähistorischen Zeiten hatte die Seine eine Breite von ca. fünf Kilometern, floss ca. 37 Meter höher als heute und erreichte eine Wassertiefe von nahezu 40 Meter. Einzig die Inseln Montmatre, Belleville, Sainte-Geneviève und Chaillot ragten aus dem Wasser heraus. Durch den Klimawandel veränderte sich nicht nur die Vegetation, sondern auch das Flussbett, sodass sie ihren mäanderförmigen Verlauf einnehmen konnte. Als die Seine doppelt so groß wie heute war, bildeten sich die Inseln Louviers, Saint-Louis, la Cité und Cygnes heraus.
Über Jahrhunderte stellte die Seine die Lebensader von Paris dar, da sie der Transportweg für Nahrung, Holz oder Baumaterialien war. So verwundert es nicht, dass die Stadt schon 1297 drei Häfen zählte: Saint-Landry, Grève und Saint-Gervais. Bis 1709 entstanden am rechten Seineufer die Häfen Foin, Vin und Blé. Besondere Bedeutung erlangten die Häfen Saint-Nicolas und Saint-Paul.
So begannen die Pariser noch intensiver mit der Beschäftigung mit der Seine, ihren Hochwässern, Niederwässern oder Eisstößen. Dies insofern, als dass der Schiffsverkehr zum Hauptaugenmerk der Versorgung wurde. Über die Seine erfolgte auch die Kommunikation, die Tournelle sowie der Port Saint-Pauln war die Stadt mit der Außenwelt verbunden.
Die Hochwässer der Seine werden oftmals als furchtbar beschrieben: jenes vom Februar 1658, als der Wasserstand beim Pont de la Tournelle 8,81 Meter über dem Normalwasserstand reichte. Im Februar 1910 erreichte der Hochwasserstand 8,50 Meter, zu Weihnachten 1740 7,90 Meter über Normalwasser. So standen selbst die Erhöhungen Grenelle, Invaliden, Champs-Elysées oder der Place Vendome unter Wasser. Man evakuierte die Bürger aus den Häusern auf den Brücken und man erinnerte an die Überschwemmungen von 1206 und 1659, die den Zusammenbruch der Brücken mit ihren Häusern mit sich brachten.

Ile-de-la-Cité
Die Ile-de-la-Cité stellt seit Beginn an das Zentrum Paris’ dar. Vom gallischen Stamm der Parisii seit 250 v. Chr. bewohnt, die die Gegend um die Insel kontrollierten. Sie stellte die natürliche Kreuzung zwischen der Seine (Ost-West) und der großen Nord-Süd Verbindung dar. Diese war an dieser Stelle großteils vom Hochwasser geschützt. Die Ile-de-la-Cité wurde zum Hauptort der Parisii, sie nannten den Ort ursprünglich Lucotetia, aus dem Lutetia wurde. Die Römer siedelten sich aus Platzgründen zusätzlich ans linke Seineufer (rive gauche), das nördliche blieb vorerst unbewohnt. Zwei Passerelles, Fußgängerbrücken verbanden das nördliche und das südliche Seineufer – der Grand Pont (Pont Notre-Dame) und der Petit Pont (der seinen Namen behielt)

Ile Saint-Louis (nur neue Informationen notiert)
Ursprünglich aus zwei Inseln bestehend, der kleineren Ile-aux-Vaches und der größeren Ile-de-Notre-Dame. […]
Seit 1725 wird sie Ile Saint-Louis genannt. Ohne bedeutende Infrastruktur ist ihre Bedeutung ein Überbleibsel vom Großen Zeitalter in Paris.

Ile Louviers
Seine-aufwärts der Ile Saint-Louis war die Insel Javiaulx situiert, die durch einen schmalen Seine-Arm vom Ufer getrennt war. Dieses Stück Land wurde im 15. Jahrhundert von Nicolas de Louvriers gekauft, von dem sie ihren Namen hat. 1549 war sie Ausgangpunkt eines Schaukampfes für Heinrich II. 1671 wurde sie für 61 000 Pfund von der Stadt zurückgekauft, Etienne Turgot konstruierte eine Galeere, „La Seine“, mit der die Königin und der König auf der Seine promenieren und die Brücken inspizieren konnten. 1843 wurde der kleine Kanal zwischen Insel und Festland zugeschüttet, das ehemals rechte Ufer wurde zum Boulevard Morland, das linke zum Quai Henri IV.

Ile Maquerelle
Traurige Berühmtheit ereilte die Insel, die auf der Höhe des heutigen Eiffelturms dem linken Seine-Ufer vorgelagert war, um den 24. August 1572. Der Großteil der Leichen des Hugenottenaufstandes wurden nämlich dort in die Seine geworfen.1676 wurde die Insel unter Ludwig XIV in Ile des Cygnes umbenannt und 1773 der Ecole-Militaire eingegliedert sowie der kleine Kanal zugeschüttet. Heute ist sie Teil des Champ-de-Mars.

Mittwoch, 9. Juli 2008

fortsetzung der brücken sowie Seine-relevante Fakten

weitere Notizen im Forschungsverlauf

Ad) Vie et histoire 1er arrondissement

S. 90 Pont des Arts: Napoleon hatte das Vorhaben von drei Brücken zu Beginn des 18. Jahrhunderts: die Erste als Verbindung zwischen dem Jardin des Plantes und dem Arsenal, die Zweite zwischen der Ile-de-Saint-Louis und der Ile-de-la-Cité und die Dritte zwischen dem Quai du Louvre und dem Collège des Quatre-Nations.
Die Zweite dieser Brücken wurde Pont des Arts genannt, nach den Plänen von Ingenieur Demoutier gebaut und war die erste Eisenbrücke Paris’. Ausschließlich für Fußgänger, erstreckt(e) sie sich über 157,7 Meter Länge und über 10 Meter Breite. Die Höhe der neun Bögen entsprach 16,8 Meter. (kritisches Kommentar: die Höhe einer Brücke kann nie konstant sein, da sich der Wasserstand des Flusses regelmäßig ändert – Stichwort Hochwasser); im Gegensatz zum lärmerfüllten Pont Neuf stellte die Pont des Arts für Fußgänger den besseren Übergang dar, da Obsthändler oder gemütliche Sitzbänke den promenierenden Parisern entgegenkamen.
[…]

Vie et histoire 4e arrondissement:

S. 122 Pont d’Arcole: eine königliche Verordnung vom 6. Dezember 1827 autorisierte den Bau einer Fußgängerbrücke (Passerelle) zwischen dem Hôtel de Ville und dem Quai Napoleon. Im März 1828 begonnen, konnte der Steg ab 21. Dezember desselben Jahres benützt werden. Am 28. Juli 1830 war der erst Tote bei einem Ansturm auf das Hôtel de Ville ein junger Mann namens Arcole. Diese Geschichte blieb in Erinnerung, sodass die neu errichtete Brücke 1855 den Namen Pont d’Arcole erhielt.
S. 129: Pont au Change: Zwischen erstem und viertem Arrondissement, gelegen zwischen den Quais de la Mégisserie und de l’Horloge, die Verlängerung des Place de Châtelet und des Boulevard du Palais. Seit dem 12. Jahrhundert mehrmals erneuert, erhielt er seinen Namen von den Changeurs, die aufgrund einer königlichen Verordnung seit 1141 dort angesiedelt waren.
S. 132: Pont au Double: Zwischen viertem und fünftem Arrondissement, gelegen zwischen dem Place du Parvis Notre-Dame und dem Quai de Montebello, geht er auf 1634 zurück, mit mehrmaligen Erneuerungen; die Maut entsprach einem doppeltem „tournois“ (?), daher sein Name.
S. 141 Pont Louis-Philippe: benannt nach dem französischem König (1830-1848); gelegen zwischen dem Quai de l’Hôtel de Ville und dem Quai de Boubon, erbaut in den Jahren 1860-1862 um eine älter Brücke aus der Zeit von Louis-Philippe (1773- 1850) zu ersetzen.
S. 142: Pont Marie: erbaut von Christoph Marie als Steinbrücke, geöffnet ab 11. Oktober 1614 durch Ludwig XIII; zwischen dem Quai de l’Hôtel de Ville und dem Quai de Bourbon gelegen.
S. 143: Pont Morland: errichtet 1879, gelegen zwischen dem südlichen Ende des Boulvards Bourdon und dem Boulevard de la Bastille; benannt nach Morland, Offizier einer Jägereinheit in der Schlag von Austerlitz (1895).
Pont Notre-Dame: existiert seit dem 13. Jahrhundert unter dem Namen Pont de la Planche Mibray, trägt den aktuellen Namen seit 1413 wegen der örtlichen Nähe zu Notre-Dame. 1853 erneuert, zwischen den Quais de Gesvres und de la Corse gelegen.
S. 151: Pont Saint-Louis: zwischen den Quais d’Orléans und Bourbon sowie dem Quai aux Fleurs gelegen ; erbaut von Christophe Marie, vereinigt die Ile-de-la-Cité mit der Ile Saint-Louis; mehrmals umgebaut und erneuert, seit 1970 ihr heutiges Erscheinungsbild.
Pont Saint-Michel: zwischen erstem, vierte, fünftem und sechstem Arrondissement gelegen, in der Verlängerung des Boulevard de Palais und dem Place Saint-Michel, erbaut von Hugues Aubriot 1387 ; mehrmals erneuert und renoviert, der Name bezieht sich auf die Kapelle Saint-Michel du Palais.
S. 152: Pont Sully: verbindet den vierten und fünften Arrondissement, erbaut von 1874-1876; benannt nach Maximilian de Béthune, Baron von Rosny und Fürst von Sully (1560-1641), Minister unter Heinrich IV.
S. 153: Pont de la Tournelle: verbindet viertem mit fünftem Arrondissement, bildet die Verlängerung der Rue des Deux Ponts und der Rue du Cardinal Lemoine; der Name bezieht sich auf das Château (Schloß) de la Tournelle von Philippe-Auguste, das an dieser Stelle der Sein zuwandte.
S. 54: Ile Saint-Louis: bestand bis 1614 eigentlich aus zwei Inseln, der Ile aux Vaches und Ile-Notre-Dame nannte; wiederum Christophe Marie sollte die Inseln erschließen und Brücken zum Festland bauen; der Seine- Durchfluss wurde zugeschüttet.
Nach der Revolution kurz in Ile-de-la-Fraternité umbenannt, wurde die Insel im 19. Jahrhundert von zahlreichen Brücken noch besser erschlossen (siehe dazu unter den Stichworten der Brücken);
Im 19. und 20. Jahrhundert sollte diese Insel zum Anziehungspunkt vieler Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Gesellschaftlichem Leben darstellen.
S. 72: La ligne des quais: in der Juli-Monarchie (1836 – 1844) wurden die Kais (Quais) entlang der Seine endgültig begradigt, was sehr viel Zeit mit sich brachte; als man das Hôtel de Ville zu vergrößern bagann, beschloss man den Jardin du Préfet bis nach la Grève auszuweiten. Dazu wollte man auch einen geradlinigen Quai anlegen. Per Verordnung vom 4. März 1836 wurde der Großteil dieses Quais auf ein Breite von 25 Metern erlassen.1837 wurde mit dem Bau begonnen, die Niveauunterschiede zu den benachbarten Quais sowie die gepflanzten Bäume stellte bauliche Probleme dar. 1839 wurde der Quai des Ormes fertig gestellt.
1843 wollte man die Ile Louviers ans Rechte Seineufer anschließen. Anstelle der kleinen Nebenarme der Seine entstand der Boulevard Morland. Auf der Südseite der Insel, an den Quai des Célestine angeschlossen, konnte bis 1844 der Quai Henri VI erbaut werden.
Im Westen machte der Niveauunterschied zwischen den Quais de l’Ecole und de la Mégisserie Probleme: eine Rampe mit großem Höhenunterschied, begonnen 1833, wieder aufgenommen 1836 und fertig gestellt 1838. Die letzten Arbeiten schlossen die Quais bei der Pont Marie und nun war die Durchgängigkeit der Quai-Linie von Passy bis Bercy gegeben.

Dienstag, 8. Juli 2008

erste ergebnisse aus frankreis hauptstadt

im folgenden blog-beitrag stelle ich meine ergebnisse dar, wie sie mir in die hände fielen, dh. in chronologisch ungeordneter reihenfolge - ein virtueller stichwortzettel so zu sagen, der wohl zur veröffentlichung ausschließlich in eine blog passt.

(einerseits um zu zeigen, dass ich bis jetzt nicht untätig war, andererseits um meine ergebnisse nochmals zusätzlich zu sichern:-))

Informationen aus "Vie et histoire 1er/6e/8e Arrondissement"

Brücken von Paris – Seinebrücken

Folgende Brücken werden als „Pariser“ Brücken bezeichnet:
1. Pont National
2. Pont de Tolbiac
3. Pont der Bercy
4. Pont Charle de Gaulle
5. Pont d’Austerlitz
6. Pont de Sully
7. Pont de la Tournelle
8. Pont Marie
9. Pont de l’Archevêché (?)
10. Pont Saint Louis
11. Pont Louis-Philippe
12. Pont au Double
13. Pont d’Arcole
14. Petit Pont (?)
15. Pont Notre-Dame
16. Pont Saint-Michel
17. Pont au Change
18. Pont Neuf
19. Pont des Arts
20. Pont du Carrousel
21. Pont Royal
22. Passerelle Solferino
23. Pont de la Concorde
24. Pont Alexandre III
25. Pont des Invalides
26. Pont de l’Alma
27. Passerelle de Billy
28. Pont d’Iena
29. Pont de Bir-Hakeim
30. Pont du chemin de fer de Passy
31. Pont de Grenelle
32. Pont Mirabeau
33. Pont du Garigliano

Vie et histoire du 6e arrondissement:

S. 6: Die ersten Menschen soll es 40 000 Jahre v. Chr. in der Gegend der Ile-de-France gegeben haben; die Seine hatte jedoch kein fixes Flussbett, sonder veränderte sich im Laufe der Jahrtausende regelmäßig. Den heutigen Flusslauf schuf sie sich vor ca. 30 000 Jahren. Im 6. Arrondissement stellte die erste bekannte Population die Kelten dar, ein gallischer Stamm der Parisii siedelte auf der Ile-da-la-Cité. Der natürliche Schutz und der Verkehrsknotenpunkt mit dem Flussübergang konnten einen regen Handel ermöglichen.
S. 34/35: Pont Neuf – Ein hervorzuhebendes Objekt des 16. Jahrhundert als Verbindung der drei Teile von Paris: Universität, La Cité und La Ville. Die Einwohner von Bourg Saint-Germain forderten eine Verbindung zum Louvre, sodass sich Heinrich III 1577 entschloss, über den westlichen Teil der Ile-de-la-Cité die beiden Flussarme zu überbrücken. Die erste Steinbrücke wurde am 30. Mai 1578 begonnen zu errichten, die Arbeiten dauerten bis 1606. (?)
S. 98/99: Passerelle des Arts: Fußgängerübergang (bis heute); Ort des Prominierens, älteste Metallbrücke errichtet zwischen 1802 und 1804, bis heute guten Überblick zwischen Ile-de-la-Cité und den Quais der Seine.
S. 126: Pont des Arts: erste Fußgängerbrücke aus Metall (Eisen und Gusseisen), errichtet von 1802- 1804 von Ingenieur Dillon, verbindet Quai du Louvre (im Noreden) mit dem Quai de Malaquais im Süden (rechtes bzw. linkes Seineufer); der Name bezieht sich auf das Palais du Louvre, wo sie beginnt, benannt am Beginn des 19. Jahrhunderts Palais des Arts. Im vorletzten Jahrhundert restauriert, von einem Lastkahn beschädigt und ständig erneuert.
S. 136: Grands Augustins, quai et rue des. – erster konstruierter Quai in Paris (1313), von Pont St. Michel bis Pont Neuf

Vie et histoire de 8e Arrondissement :

S. 41: Le Palais de l’Industrie: ein besonders schöner Blick auf die Seine wird beschrieben
Le Grand Palais: auch benannt nach dem Russischen Zaren Nicolas II, um die frz.-russ. Freundschaft zum Ausdruck zu bringen, gesäumt vom Pont Alexandre III, der die Perspektive vom Hôtel des Invalides zum Champs-Elysées zu verlängern;
S. 126: Pont Alexandre III: nach dem Zar Alexander III, der das Baltikum russifizierte und die Annäherung an Frankreich suchte;
Pont de l’Alma: Erinnerung an Sieg von 1854 der französisch-britischen Truppen über die Russen; die Skulpturen der Brücke stellen die vier Corps der Armee dar: Jäger, Artillerie, Grenadier, Zuave (Angehöriger einer historischen Infanterieeinheit); letztere wurden nach der Renovierung der Brücke 1974 wegen ihrer Verdienste um die begutachtung und Bearbeitung des Niveaus der Seine rekonstruiert
Pont de la Concorde: erbaut von Perronet am Ende des 18. Jahrhunderts und ständig erweitert; verbindet im Süden (linken Ufer) den Quai Anatole France mit dem Place de la Concorde
Pont des Invalides: im 19. Jahrhundert erbaut, nach mehreren Umbauten heutiges Aussehen seit 1956; verbindet den Place de Canada mit dem Quai d’Orsay und erhielt seinen Namen vom in der Nähe, am linken Seineufer liegenden Hôtel des Invalides.

Vie et histoire de 1er arrondissement

S. 141: Pont de Caroussel: Verbindet Quais des Tuileries und Louvre mit Quai Voltaire
Pont au Change: Zwischen den Quais de la Mégisserie und de l’Horloge, benannt nach seinem Ursprung Pont aux Changeurs, da die Changeurs parisien (Wechsler ?) dort beheimatet waren.
S. 163: Pont Royal: verbindet den Quai des Tuileries mit den Quais Voltaire und Anatole France; der Name lautet bei seiner Errichtung 1685 Pont Royal, weil er direkt ins Palais Royal führte. Nach der Revolution wurde er Pont National umbenannt, nach dem Empire in Pont des Tuileries. Seit 1815 heißt er wieder Pont Royal.
S. 164: Pont Saint-Michel: verbindet die Boulevards du Palais und Saint-Michel, die Quais Orfèvres und Grands Augustins; der Name kommt von der in der Nähe befindlichen Kapelle Saint-Michel du Palais, errichtet 1378; wurde auch Petit Pont Neuf genannt, bevor er 1424 seinen jetzigen Namen erhielt.
S. 166: Pont de Solferino: verbindet die Quai Tuileries mit dem Quai Anatole France, Namensgebung vom kleine oberitalienischen Dorf Solferino, wo Napoleon III am 24. Juni 1859 die Österreicher besiegte (jedem Österreicher schmerzlich bekannt )
S. 11: im 19. Jahrhundert wurde die Ile-de-la-Cite in zwei Verwaltungsbezirke getrennt (1er und 2e Arrondissement); ursprünglich ist die Insel als ganzes und einheitlich zu verstehen; profitiert wurde vom natürlichen Hochwasserschutz der Insel (wegen ihrer erhöhten Lage), der nord-süd Achse als Verkehrsverbindung durch Gallien und mit zwei Brücken eine hervorragende Überquerungsmöglichkeit der Seine.
Karl der Kahle befahl u.A. die Verstärkung der Brücken (877). Später (885) wurden die zwei Brücken nochmals gegen die Normannen unter Siegfried verstärkt, die südliche Petit Pont zwischen Rive-Gauche und Petit-Châtelet und die geographisch nicht näher bestimmbare nördliche Brücke. Lange war man überzeugt, dass es sich um den Pont Notre-Dame handle, was jedoch falsifiziert werden musste.
Ludwig VII (1120-1180) konnte eine Straße über den Grand Pont errichten lassen, den heutigen Pont au Change)
Der Pont Neuf : am 7. November 1577 nominierte Heinrich III eine Kommission, die den Ort und die Gegebenheite eruieren sollte, wo man die Brücke errichten sollte. Nach längeren Verhandlungen und Bürgerkrieg konnte schließlich 1603 die Brücke dem Verkehr übergeben werden. Es war dies die größte Brücke Paris’, 278 Meter lang, mit sieben Bögen über den größeren Arm der Seine und fünf über den Kleineren. Zwischen 1842 und 1852 wurden die Bögen generalsaniert und Gehsteige errichtet, die jedoch bis zum Ende des 19. Jahrhundert niemanden interessierten. Ab 1640 siedelten sich Verkaufsbuden auf der Brücke an, seit 1775 zierten steinerne Pavillions den Flussübergang. 1854 wurden diese Einrichtungen abmontiert. Zwischenzeitlich stellte der Pont Neuf ein kurioses Bauwerk dar, halb aus Holz, halb aus Stein. Die erste Wasserpumpe des Flamen Jean Lintlaer prägte das Bild, die den Louvre und die Tuilerien mit Wasser versorgte. Sie wurden zwischen 1712 und 1714 erneuert, 1813 jedoch abmontiert, da der schon erwähnte Kanal de l’Ourcq ihren Dienst übernahm.
Ironischerweise war der „Platz“ auf der Brücke unter der Statue von Heinrich IV jene Gegend, in der Scharlatane (Gros Thomas), Gaukler und sonstige „Artisten“ ihre Aufführungen vollzogen und ein beliebter Treffpunkt für In- und Ausländer wurde. „Der Hektik am Tage, zusätzlich geprägt von Magistratsbeamten, Geistlichen, Lebedamen, Matrosen und Parisern aller Art sowie Besucher der Stadt folgte der Wandel in der Nacht. Aussätzige und von der Gesellschaft Verstoßene belagerten die Brücke, raubten dem Passanten Geld und Schmuck und warfen ihn anschließend, tot oder lebendig in die Seine.“

Montag, 7. Juli 2008

Nachtrag zur Recherche in Wien - jetzt aus Paris :)

Napoleon regte noch an, eine vierte Brücke über die Seine zu schlagen, die Pont d’Iena. Nach der Bauzeit von sieben Jahren (1806-13) waren die Ecole militaire und Chaillot direkt miteinander verbunden. Nach dem Einzug der siegreichen Alliierten konnte der Kommandant der preußischen Armee Blücher u. A. von Zar Alexander davon überzeugt werden, die Brücke nicht zu sprengen – sie wurde umbenannt, um den Willen der Preußen zu respektieren.
Der Pont St. Michel wurde in den zwei Jahren von 1806-08 von Häusern und Buden, die als „parasitär“ beschrieben wurden, „gesäubert“.
Ein schon bekannter Aspekt, nämlich das mittelalterliche Wesen der Stadt Paris bis ins 19. Jahrhundert, war beiderseits der Seine besonders ausgeprägt. Weiters wird beschrieben, dass die Ufer von Barken der Wäscherinnen gesäumt waren und Stapelplätze für Massengüter auffällig waren. Heute kaum vorstellbar prägten aber eine Unzahl an Mühlen, die an der Seite sowie mitten im Fluß verankert waren, um die Strömung besser zu nutzen, das Bild. Die Binnenschifffahrt durfte zu Zeiten Napoleons jedoch schon eine große Bedeutung gehabt haben, denn in seinem „Exposé de la situation de l’Empire“ ordnete er die „Befreiung“ aller Hindernisse an, die die Schifffahrt auf der Höhe von Paris praktisch unmöglich machte. Allerdings wurde dieses Programm insofern nur teilweise erfüllt, als dass zwar zahlreiche Mühlen verschwanden, die beiden Haupthindernisse, die Pompe de Samaritaine und die Pompe Notre-Dame, blieben erhalten, um die Trinkwasserversorgung der Stadt Paris nicht zu gefährden.
Die von Zeitgenossen mit dem Begriff Embellissements verbundenen Prachtstraßen, Neubauten oder Renovierungen bereits vorhandener Palais und Gebäude, die Errichtungen von Denkmalen war die eine Seite der umfassenden Baumaßnahmen.

Überschwemmungen/Hochwasser

Die Ufer der Seine waren bis ins frühe 19. Jahrhundert unbefestigt. Die natürlichen Hochwasser überschwemmten daher in regelmäßigen Abständen ganze Stadtviertel. Besonders wird der Winter 1801/02 hervorgehoben – es wird von den schlimmsten Überschwemmungen berichtet, die Paris seit 1740 erlebt hatte: Teile des Champs-Elysées, die Place de Grève, an einigen Stellen die Rue de Faubourg Saint-Honoré, die Rue de Faubourg Saint-Antoine und die Place Maubert lagen unter Wasser.
Das Ausmaß dieser Überschwemmung lieferte nun Napoleon ein praktisches Argument, um einen seiner zahlreichen Pläne zu realisieren. Aus ästhetischen Gründen hegte er schon länger Erwägungen, die Seine durch hohe Quai-Mauern zu „bändigen“. Am 2. Juli 1802 veranlasste er den Bau des Quai d’Orsay zwischen dem Pont National (Royal) und dem Pont de la Révolution (de la Concorde). Bis 1813 wurde an beiden Ufern der Seine Quais in einer Länge von drei Kilometern angelegt.

„Geben Sie seinen Einwohnern Wasser!“ – diese Antwort erteilte angeblich der Innenminister an den Ersten Consul während eines Spazierganges, bei dem er „etwas Großes, etwas Nützliches für Paris unternehmen wollte. – Baumaßnahmen und deren öffentlicher Nutzen hegte Napoleon in großen Plänen für Paris – obwohl nur zu einem geringen Teil verwirklicht.
Die Wasserversorgung wird als „Hauptproblem“ von Paris beschrieben. Wieder wird darauf hingewiesen, dass die zahlreichen Brunnen in Privathäusern und wenig ergiebige Quellen in Arcueil, Belleville und Prè-Saint-Gervais nicht ausreichten und die Einwohner der Hauptstadt ihr Trinkwasser von der Seine bezogen. Die Qualität wurde von Zeitzeugen erneut hoch gelobt, Klage wurde aber über das unzureichende Angebot geführt. Bei 56 öffentliche Brunnen im gesamten Stadtgebiet, die von vier Wasserpumpen versorgt wurden, war dieser Zustand nahe liegend. Zwei dieser Pumpen waren von „ehrwürdigem“ Alter und „entsprechend geringer“ Leistung gekennzeichnet: Die schon erwähnte Pompe de la Samaritaine (seit 1608 in Betrieb) und die von Notre-Dame (seit 1680 in Betrieb). Die beiden anderen Pumpen stellten die von den ebenfalls schon erwähnten Brüdern Périer bei Challot und Gros-Caillou dar, die das linke Seineufer mit Wasser versorgten.
Diesem Problem widmete sich Napoleon nun insofern, als dass er ein Memorandum (1806) diktierte:
Erstens sei das Ziel, dass ab dem 1. Mai d. J. die 56 Pariser Brunnen „Tag und Nacht“ fließen und „man dann damit aufhört, Wasser zu verkaufen“. Jeder solle sich soviel davon nehmen können wie er will. Zweites Ziel war die Instandsetzung von weiteren Brunnen „sobald wie möglich“, um Wasser zu liefern. Zwei Monate später (1. Juli) ordnete ein kaiserliches Dekret weiters an, dass „das Wasser in allen Brunnen von Paris derart reichlich fließt, dass nicht nur den Bedürfnissen der Allgemeinheit und den besonderen Anforderungen der Gewerbe Genüge getan wird, sonder dass man damit auch die Atmosphäre erfrischen und die Straßen reinigen kann.
Kaiserlicher Wille und Realität drifteten jedoch (noch) zeitlich auseinander: Eine Annäherung erfolgte erst sechs Jahre später (März 1812), als der Kanal de l’Ourcq, das große Trinkwasserreservoir bei La Villette, die für die Verteilung des Wassers notwendigen Aquädukte und Hauptleitungen sowie die Wasserpumpe des Château-d’Eau fertig gestellt wurden.
Doch allein der Bau dieses Kanals zum 96 Kilometer entfernten Flüsschen Ourcq „verschlang die seinerzeit phantastische Summe von 38 Millionen Francs“.
Kritische Stimmen zur substantiellen Verbesserung der Wasserversorgung von Paris ertönten von Petit-Radel: Er sah die Moral in Gefahr, da der Wasserüberfluss in Rom zunächst „den Brauch und dann den Missbrauch der Bäder verursachte. (…) Wird die Bequemlichkeit, sich zu Hause mit Wasser zu versorgen, nicht auch bei uns zu einem Verfall der Sitten führen (…)?“
Tatsächlich wurde erste während der Juli-Monarchie in einigen wenigen damals neu errichteten Luxuswohnungen „l’eau à l’etage“ üblich.
Als wichtige zentrale geographische Konstante wird die Seine als Dreh- und Angelpunkt für die Standortbestimmung der Pariser Bahnhöfe gewählt: die sechs im Entstehen begriffenen Bahnhöfe (zwischen 1830 und 1848) sollte möglichst beiderseits der Seine angelegt und errichtet werden.
In diese Zeit fällt auch eine weitere Sanierung und Regenerierung des Stadtzentrums: Sowohl der Ausbau der Boulevards zum Stadtrand als auch die weitere Errichtung von Seine-Brücken mit Mautpflicht waren in Planung.

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Castelot, André: Die großen Stunden von Paris, Wien 1961, S. 171-172, S. 178-179, S. 302, S. 306.

Freitag, 4. Juli 2008

Zwischenrésumé vor der Abreise...

Nach der Kreation des Forschungstitel – „Paris vom Fluß aus sehen und verstehen“ – habe ich zwar noch einige Infos nicht in den Blog gestellt, dies wird mir sicherlich in Paris noch möglich sein. Nach längerer Recherche in den Online-Katalogen des Deutschen-Historischen Institutes in Paris waren meiner Fündigkeit leider sehr bald Grenzen gesetzt. Auch die Stichworte, die bei der Suche nach dem Thema „Donau in Wien“ hilfreich waren, erzielten leider nicht den gewünschten Erfolg. Doch so muss ich mich dem Thema auf andere Art und Weise nähern, und selbst diese Tatsache macht das Forschen noch spannender und interessanter. Dazu werde ich die Reihe „Vie et histoire de … arrondissement“ heranziehen, und mir, wie bei den Wiener Bezirksführern, ansehen, was sich dort jeweils über die Seine und ihre Bedeutung sowie die Wechselwirkung Fluß - Stadt erfahren lässt. Auflockernd und bewusstseinserweiternd habe ich ebenfalls vor, die Vergleiche zwischen Paris und der Seine sowie Wien und der Donau herauszuarbeiten. Die Arrondissements 1 sowie 3 bis 8 sind hier von besonderer Bedeutung.
Positiv beurteilen möchte ich auch Möglichkeit, die subjektive Phantasie insofern freien Lauf lassen zu können, als dass der Weitläufigkeit (ohne sich dabei jedoch zu verlieren) keine Grenzen gesetzt sind. Durch das Beschäftigen mit dem Thema Seine blicke ich dem Forschungsaufenthalt sehr positiv und gespannt entgegen.
Da dies mein erster Paris-Aufenthalt sein wird, bin ich gespannt, wie die Stadt generell auf mich einwirken wird. Dem berühmten Flanieren werde ich insofern nachgehen, als dass ich mir die Seine genauer ansehen werde und diese geographische Konstante im historischen Längsschnitt am Objekt selbst erforschen möchte.
Persönlich habe ich mich darauf eingestellt, eine beträchtliche Strecke zu Fuß zurückzulegen, um möglichst viele Impressionen erlangen zu können. Schriftliche Forschung am DHI wird dann der zweite (größere) Teil dieser Forschungsreise sein. Insofern freue ich mich auf die Semiotik der Stadt Paris und meinen Beitrag dazu.

Freitag, 6. Juni 2008

Weiteres über die Seine und Paris

Weiter Forschungsergebnisse:

Das Pariser Becken als geologische Formation hat als wichtigstes Merkmal eine wasserdurchlässige Kreideschicht. Nun war jedoch die Wasserversorgung der Stadt über Jahrhunderte äußerst unzulänglich: Quellen waren keine vorhanden, und so musste die Stadtbevölkerung ihr Trink- und Brauchwasser aus der Seine beziehen. Entweder direkt aus dem Fluß, oder Grundwasserbrunnen nahe des Flusses. Diese waren jedoch oftmals nahezu die Hälfte des Jahres trocken, sonst wurden sie von Seine-Wasser gespeist. Von den Brunnen oder direkt von der Seine musste das Wasser eimerweise in die Haushaltungen geschaffen werden. Für Einwohner mit bescheidenem Luxus erledigten dies Wasserträger, welche ca. 12-15 000 Personen umfassten.
1781 wurde die Compagnie des Eaux de Paris gegründet, eine Aktiengesellschaft, die in der Nähe von Chaillot zwei von Dampfmaschinen betriebene Wasserpumpen installierten, die von groben Schmutzpartikel gereinigtes Seine-Wasser durch ein Leitungsnetz bis in die Haushalte lieferte. Dieses Trinkwasser kostete 50 Livres p.A. – eine Summe, die sich nur wenige Haushaltungen leisten konnten. Für die Comapagnie war es jedoch trotzdem ein wirtschaftlicher Erfolg. Die „Hygieniker“ des 18. Jahrhunderts beunruhigte die Verschmutzung des Seine-Wassers ironischerweise keineswegs – die Ursachen der schlechte Luft konnte durch den Wassermangel nicht vereitelt werden. Der kausale Zusammenhang zwischen Trinkwasserqualität und den im 19. Jahrhundert in Paris wiederholt auftretenden Cholera-Epidemien wurde erst 1892 entdeckt.
Abfall- und Abwasserbeseitigung gehen mit der Wasserversorgung Hand in Hand: Strenge Strafen bedrohten jene, die den Inhalt der zu jedem Haus gehörenden Latrinen und Sickergruben in das städtische Entwässerungssystem einleitete. – In der Praxis wurde jedoch gegen alle diese Vorschriften verstoßen. Selbst die Latrinen waren in äußerst schlechtem Zustand: ihr fäkalischer Inhalt sickerte in nahe gelegen Grundwasserbrunnen, aus denen zB. die Bäcker ihr Wasser schöpften. Städtische Abwasserkanäle und Rinnsteine, der größte war der Égout Tourgot, beförderten „diese schreckliche Masse“ bis zur Seine, deren Ufer sie verseuchten, an denen die Wasserträger ihre Eimer voll schöpften, das die „unempfindlichen Pariser“ dann zu trinken gezwungen waren. 1.)
Diese Schilderungen findet man im Kapitel „Die allmähliche Entdeckung der Hygiene“. Allerdings ist diese „Hygiene“ von nur einer kleinen Anzahl an Personen als solches identifizierbar und wurde noch gänzlich anders interpretiert als nach 1900.
Im Kapitel „Paris als Hauptstadt Europas 1800-1815“ – „Neue Verwaltung und alte Zustände“ wird städtebaulich über ein chaotisches Durcheinander geschrieben, in der das Zentrum der Cité als völlig verbaut und verwinkelt dargestellt wird. Am linken Seine-Ufer befindet sich das von Gärten umgebene Stadtpalais, am rechten Ufer dicht gedrängte Häuser zwischen Fluß und inneren Boulevards. 2.)
Auch in der Napoleonischen Zeit fiel die Seine in den Blickpunkt des Feldherren und Kaisers.
Um aus diesem baulichen Chaos einen Kosmos, also Ordnung, zu machen, hatte Napoleon sich nun zum Ziel gesetzt, Paris ganz in der Tradition des 18. Jahrhunderts mit „Emellissements“, mit Verschönerungen, zu dotieren. So musste ihm als erstes die Seine ins Auge fallen. Sie war der bedeutendster Verkehrsweg der Stadt, im wahrsten Sinne des Wortes ihre Lebensader, auf der alle wichtigen Güter in großen Mengen herangeschafft wurden und aus deren Fluten die Pariser ihr Trinkwasser bezogen. Der Fluß stellte aber auch gleichzeitig das größte Verkehrshindernis dar, weil zu wenige Brücken existierten, die mit Ausnahme der Pont-Neuf den Anforderungen nicht mehr genügten – der Verkehr wurde immer reger, es wurden drei neue Brücken geplant und sollten innerhalb von 18 Monaten fertig gestellt sein: zwischen dem Jardin des Plantes und dem Arsenal entstand die Pont d’Austerlitz, zwischen der Ile de la Cité und der Ile Saint-Louis die Pont Saint-Louis und zwischen dem Louvre und dem Collège des Quatre-Nations die Pont des Arts (letztere nur für Fußgänger).
Die Literatur besagt weiters, was auch heute immer noch problematisch ist – quasi eine Ironie der Geschichte: die anbefohlene Hast im Bau sowie die Vorfinanzierung durch private Aktiengesellschaften, die dann für 25 Jahre einen Brückenzoll erheben durften, hatten zur Folge, dass sich die Brückenkonstruktionen der Pont Saint-Louis als unsolide darstellte und trotz nachträglicher Verstärkung das Passieren von Wagenfuhren untersagen musste. Erst 1819 (während der Restauration) wurde die Brücke neu gebaut und der Verkehrsengpass behoben.
Die Pont des Artes hingegen erwies sich als Erfolg: die erste Eisenbrückenkonstruktion in Frankreich wurde Ende September 1803 fertig gestellt, 64000 Personen kamen zur Eröffnung und im Schnitt benutzten 11 000 Personen täglich gegen Bezahlung von einem Sou die Brücke.
Der Pont de Jardin/Pont d’Austerlitz hatte die größte verkehrstechnische Bedeutung: Die direkte Verbindung zwischen Faubourgs Saint-Antoine und Saint-Marcel. Probleme bei der Finanzierung wie beim Bau verzögerten jedoch den Fertigstellung, sodass erst im Herbst 1804 begonnen werden konnte und am 1. Jänner 1806 die Brücke dem Verkehr übergeben werden konnte. 3.)
Weitere Beschreibungen von Brücken und der Bedeutung der Seine folgen im nächsten Beitrag. Sicherlich sehr bald!

1)Willems, Johannes: Paris. Hauptstadt Europas 1789 – 1914, München 1988, Seite 34-36.
2)Willems, Paris, 1988, Seite 163.
3)Willems, Paris, 1988, Seite 169-170.

Montag, 2. Juni 2008

erste informationen über den fluß seine

Erforschtes aus der Literatur

Da nun das Thema des angehenden Forschungsaufenthaltes in Paris im Juli 2008 abgesteckt ist, habe ich nun versucht aus der Literatur, die in der Fachbibliothek (FB) des Institutes für Geschichte der Universität Wien vorhanden ist, mögliche neue Kenntnisse über den Fluß Seine in Paris zu finden. Da sich die Literatur in der FB zu einem großen Maße aus Französischer oder gar Englischer Sprache zusammensetzt, ist das momentane Ausmaß an verwendeter deutschsprachiger Literatur (noch) gering. Drei Bücher konnte ich dann aber doch erfolgreich bearbeite:
1. Castelot, André: Die großen Stunden von Paris, Wien 1961.
2. Willems, Johannes: Paris. Hauptstadt Europas 1789 – 1914, München 1988.
3. Hazan, Eric: Die Erfindung von Paris. Kein Schritt ist vergebens, Zürich 2006, 3. Aufl.
Beim grobflächigen Überfliegen der Zeilen habe ich versucht alles Wissenswerte über die Seine herauszufinden. Das Folgende ist nun mein Ergebnis:
Bei Castelot wird eine königliche Anordnung aus dem Jahre 1404 zitiert, die den Fluß als große Senkgrube bezeichnet, dessen Wasser mit Kot, Schmutz, Unrat und Verunreinigung angefüllt war, was ganz erschreckend und Ekel erregend anzusehen war. 1788 hatten sich die Dinge immer noch nicht gebessert, folgende Beschreibung ist der Literatur zu entnehmen: Das Wasser der Seine vereint alle guten Eigenschaften in sich, die man sich wünschen kann; der erste Blick sei zwar trüb und abstoßend, aber gerade diese Tatsache stellt dieses Wasser weit über gewisse andere, die fast immer hinter einem verlockendem Äußerem Fremdkörper bergen. Auf jeden Fall ist es jenen klaren Wassern weit vorzuziehen, die aus den helvetischen Felsen quellen. Kurz, es ist ein ganz hervorragendes Getränk.
Selbst ein knappes Jahrhundert später wird Wasser der Seine vor allem zum Trinken verwendet und für sehr geeignet gehalten. Diese durchwegs positiven Beschreibungen in der Wahrnehmung dürfen aber nicht mit heutigen hygienischen Mindeststandards verglichen werden, wie in weiteren Beschreibungen noch folgt. 1)
In der Beschreibung des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wird insofern von der Seine berichtet, als dass am 14. September 1870 sogar ein „Kriegsmarine“ vorhanden war: Fünf schwimmende Batterien, acht Kanonenboote und sieben Vorpostenboote übernahmen die Verteidigung von Paris auf der Seine. 2)
Im zweiten bearbeiteten Buch wird in dem kurzen chronologischen Abriss zur Stadtgeschichte beschrieben, dass die soziale Topographie von Paris im 13. Jahrhundert in nuce bereits jenes Bild gibt, das die Stadt gegen Ende des 18. Jahrhunderts bietet: von der Sein-Insel de la Cité aus breitete sich die Stadt im Laufe der Zeit immer weiter auf beiden Ufern der von der Seine durchflossenen Ebene aus; im Süden auf dem linken Ufer, im Quartier Latin, sind die hohen Schulen der Universität konzentriert, während sich im Norden, auf dem rechten Seineufer, die bürgerliche Stadt mit Handwerk und Handel entwickelte. Cité, Université und Ville, diese drei Bezeichnungen, mit denen noch im 18. Jahrhundert die soziale Topographie von Paris gekennzeichnet wird, reflektieren jene Elemente, deren Zusammenspiel die stetig wachsende Bedeutung der Stadt gewährleistet: Zentrum der weltlichen und geistlichen Macht, Zentrum der universitären Bildung und Zentrum des Handels und des Handwerks. 3)
Diese Beschreibung in einem wissenschaftlichen Werk bestätigt meine Erkenntnis bei einem Blick auf den Stadtplan, dass der Fluß die „Lebensader“ der Stadt seit Anbeginn darstellte. Der zentrale Ort, von dem aus sich alles entwickelte und dessen Bedeutung bis heute ungebrochen ist. Zentrale historische Akteure waren um diese geographische Komponente angesiedelt und konnten von dort aus wirken.
Über die Jahre vor der Französischen Revolution wird der Blick links und rechts von der Terrasse der Tuilleriengärten auf das „wunderschöne“ Seineufer beschrieben, an dem sich Gebäude, Paläste, Kirchen und steinerne Brücken befinden. In diesem Sinne werden die „steinernen Brücken“ als verbindendes Element verwendet, da die Überquerung des Flusses von äußerster Priorität war. Nochmals kommt die Sprache auf die hygienischen Zustände zu sprechen: dabei findet die Seine immer Erwähnung, da abermals Kot, Unrat, Leichen, Blut und Abfälle von Metzgereien über die Kanäle in den Fluß bzw. gleich direkt in die Seine geleitet werden. Der Flaneur Luis-Sebastian Mercier spricht auch von den Gegensätzlichkeiten von Paris im Allgemeinen und der Seine im Speziellen: Arm neben Reich sowie Sauberkeit und Unhygiene auch an und in der Seine. 4)

Dieser „Zusammenfassung“ über die ersten Eindrücke folgen baldigst die nächsten Informationen bezüglich der Seine und ihrer Geschichte.

1) Castelot, André: Die großen Stunden von Paris, Wien 1961 Seite 14 ff.
2)Castelot, Stunden, 1961, Seite 337.
3)Willems, Johannes: Paris. Hauptstadt Europas 1789 – 1914, München 1988, Seite 16.
4)Willems, Paris, 1988, Seite 28.

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